20 | 08 | 2019

"Sommerhaus, später und manches Andere" – Autorin Judith Hermann zu Gast am Spee-Kolleg

Am Mittwoch den 12.06.2019 war die bekannte Berliner Autorin Judith Hermann am Erzbischöflichen Friedrich-Spee-Kolleg zu Gast und las Passagen aus ihren Erzählungen "Sommerhaus, später" sowie "Kaltblau".

12. Juni 2019, Daniela Parpart

Mit Judith Hermann besuchte am 12. Juni 2019 eine der renommiertesten zeitgenössischen Schriftstellerinnen das Friedrich-Spee-Kolleg und las aus ihren Werken "Sommerhaus, später" und "Kaltblau". Hermann, die 1970 in Berlin geboren wurde, feierte 1998 ihr literarisches Debüt mit dem Prosawerk "Sommerhaus, später" und zählt seitdem, nicht zuletzt durch die hervorragenden Kritiken des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranickis, zu den festen Größen der deutschen Literarturszene. "Wir haben eine neue Autorin bekommen, eine hervorragende Autorin. Ihr Erfolg wird groß sein" prophezeite Reich-Ranicki in seinem Literarischen Quartett und behielt damit Recht. So wurden ihre Werke, die in eine Vielzahl von Sprachen übersetzt wurden, mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 2001 wurde ihr unter anderem der Kleist-Preis für "Sommerhaus, später" verliehen.

Eingeladen hatte das Friedrich-Spee-Kolleg sie, weil ihre Erzählung "Sommerhaus, später" zur aktuellen Zentralabitur-Obligatorik für das Fach Deutsch gehört. Dementsprechend folgten ihr die Studierenden und das Kollegium ebenso aufmerksam wie fasziniert, als sie mit weicher, melodiöser Stimme die ersten Zeilen aus ihrem Debütwerk las. Aus ihren Texten stechen dabei die eigenartig und befremdlich gezeichneten Charaktere hervor, die die Studierenden zu einer Vielzahl von Fragen bewegten. Im Rahmen der Beantwortung dieser  gewährte die Autorin Einblick in ihren literarischen Schaffensprozess und erklärte, dass ihre Texte immer autobiographische Züge haben und sie über Menschen schreibt, die ihr Leben in irgendeiner Weise berührt haben. Dabei "versteckt sich" Hermann auch gerne in ihren eigenen Geschichten und schreibt sich Charaktereigenschaften zu, die sie selbst gerne besäße, wie sie ganz offen zugibt. Die Deutungshoheit über ihre "doppelbödigen" und "autofiktiven" Figuren überlässt sie aber allein ihrer Leserschaft. Zufrieden ist Hermann nicht dann, wenn der Leser ihre Intention erkannt hat, sondern wenn er die Leerstellen ihrer Werke für eigene Interpretationsspielräume nutzt und eigene Fragen an den Text stellt.

Wir bedanken uns bei Judith Hermann für ihre mitreißende Lesung und ganz besonders für ihre offene und sympathische Art, auf die Fragen zu antworten. Für unsere Studierenden war es, fernab vom alltäglichen Unterrichtsgeschehen, eine ganz andere Art der Begegnung mit Literatur und für alle Teilnehmer eine anregende Bereicherung.

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