21 | 11 | 2019

Erstsemestereinführungstage in Altenberg WS 2019/20

Die Erstsemester des Wintersemesters 2019/20 haben in Altenberg die Einführungstage verbracht. Ein Bericht von Jürgen Himmelsbach

Donnerstag, 05. September 2019

Es geht nach Altenberg. Für mich als begleitender Lehrer ist es das zweite Mal. Werden sich Routinen einstellen? Mittlerweile kenne ich immerhin die Zufahrt, die Schranke, die kleinen Alltagstücken: Zahnlücken im Getriebe unserer Kontrollfantasien. Mitgefahren sind bei mir drei äußerst gut gelaunte Schüler, die, wie mir scheint, nichts anderes tun müssen, als ihr pures Leben zur Verfügung zu stellen, um Glück zu produzieren. Vorsicht ansteckend. Von Ihrer Flucht nach Deutschland aus zerbombten Ländern und Städten ist nichts zu spüren, denke ich noch, als schon die anderen Studierenden des ersten Semesters ankommen in diesen alten Mauern. Mauern, die nach Zeiten des Zerfalls neu auf- und hergerichtet wurden und nun im modernen Understatement sanft Traditionen bezeugen. Mitten darin:  Junge Menschen einer Abendrealschulklasse und zwei neuer E1-Klassen, die ihre Rucksäcke ablegen, Vorstellungen mitbringen, Vorhaben, Pläne, eigene Visionen und Erfahrungen, Ängste vielleicht auch, sicher aber Befindlichkeiten. Wie werden sie es wohl nennen? Wir werden es hören, wenn wir zuhören. 

 

Ein straffes Programm wartet: die obligatorische Dom- und Orgelführung im Altenberger Dom - eine beeindruckende Superlative überdies; im Anschluss drei Arbeitsgruppen, die sich mit dem Beratungskonzept des Kollegs befassen; mit dem institutionellen Schutzkonzept und schließlich mit dem Thema „Umgangs mit Sozialen Medien“. 

 

Am Nachmittag werden schließlich nach guten und produktiven Schaffensphasen Komm-Kaffee-Kuchen-Fantasien eingelöst und treiben den Blutzuckerspiegel auf das nächste abzurufende Leistungsniveau. Es folg die Vorstellungsrunde. Auch: Eine Runde von Vorstellungen, nicht wahr? Was bin ich? Oder: Wie stelle ich mir mich vor? Die Studierenden interviewen sich gegenseitig und stellen ihre Ergebnisse anschließend im Klassen-Plenum vor. Welche Stärken zeigen sich? Gibt es Erfahrungen im Umgang mit Herausforderungen? Welche Ziele motivieren sie? Wie muss ein Alltag aussehen, um schulische Leistungen erbringen zu können?

 

Nach dem Abendessen stellt Pfarrer Dahlhaus, der Kolleg-Schulseelsorger, sich und seine Arbeit vor. Hier gilt es im Anschluss, zur Ruhe zu kommen, eine Meditation zu genießen. 

 

Eine nicht zu ignorierende Tücke im logistisch-technischen Ablauf oder eben eine unüberbrückbare Lücke im Vorhaben, einen Spielfilm über Friedrich Spee zu zeigen, verlagert die gemeinsame Zusammenkunft im Aufenthaltsraum „Franziskus“ zeitlich zwei Stunden nach vorne. Die Studierenden scheinen sich mit dieser Programmänderung rasch zu arrangieren, und es entspannt sich ein kommunikativer, sagen wir doch: gemütlich-chilliger Abend, in dessen Verlauf erstaunlich wenige Smartphones auf den Tischen auftauchen. Abgetaucht hingegen: die Warnzeichen eines drohenden Zerfalls des Abendlandes, angezeigt von knöchernen Fingern unverstandener Propheten. Etwa ein Wunder? Die Menschen reden miteinander. Sie bewegen ihre Zungen. Völlig lebendig. Gott lebt also doch, meine ich fast. 

 

Der zweite Tag: Er hält das Thema Suchtprävention bereit. Darüber hinaus stellen sich, wie jedes Semester, Studierende höherer Semester vor, um auf kolleginterne Möglichkeiten der Vernetzung und Hilfestellungen hinzuweisen, schlichter gesehen, um Berührungsängste abzubauen und kollegiale Ressourcen zu nutzen. Eine weitere Gruppe beschäftig sich mit dem Zeit- und Geldmanagement. Ein Thema, das mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, wie es die jüngsten Erfahrungen am Spee-Kolleg zeigen. 

Nach dem Mittagessen verabschieden wir uns wieder. Die Zeit kommt.

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