22 | 04 | 2018

Die Montagsimpulse zur Fastenzeit - Gestalten in der Passionsgeschichte

Mit einem gemeinsamen Impuls am 5. Fastenmontag zum Thema "Longinus" endete die Reihe der Fastenimpulse im Atrium.

1. Impuls – die Gestalt des Judas

Mit einem gemeinsamen Impuls zur Fastenzeit startete der Montagmorgen im Atrium. Im Mittelpunkt der diesjährigen Fastenimpulse stehen die Gestalten der Passionsgeschichte. Den Auftakt bildete eine der schillerndsten Gestalt der Passionsgeschichte: Judas. Diesen bringt man traditionell meist lediglich mit dem Verrat an Jesus in Verbindung. Dabei wird vergessen, dass Judas, als einer der zwölf Jünger, in insgesamt vier Erzählungen des Markus-Evangeliums vorkommt. In diesen wird deutlich, dass Judas nicht nur der Abtrünnige ist, sondern einer, der Jesus nahesteht. Deutlich wird in diesem ersten Evangelium, dass jeder der 12 Apostel Judas sein könnte, so fragten sich doch alle: „Doch nicht etwa ich?“, als Jesus sagt, dass er von einem von ihnen verraten und ausgeliefert werden wird. In den anderen drei Evangelien werden die Akzente jeweils verschoben. In der spätesten Version von Matthäus ist es nur noch Judas, der Jesus fragt: „Ich bin‘s doch nicht?“ Dieser Vergleich zeigt, dass jeder der Evangelisten ein anderes Bild von Judas hat und das am Ende nur klar ist, dass dieser eine undurchsichtige Rolle bei Verhaftung Jesus gespielt hat.

Doch was können wir am Spee-Kolleg auch heute noch aus dieser Geschichte ziehen? Was bedeutet für uns Verrat? Und habe ich selbst vielleicht nicht auch schon einmal jemanden verrraten?

An den folgenden Montag gibt es Impulse u.a. zu Petrus, Maria und Pontius Pilatus.

2. Fastenimpuls - Die Figur Petrus

Beim zweiten Fastenimpuls stand die Figur des Petrus, der den meisten von uns sicher als der erste Papst bekannt ist, im Fokus. Doch dieser Petrus ist nicht nur eine biblische Lichtgestalt, der Chef der Apostel. Petrus ist auch der Jünger, der Jesus nach seiner Verhaftung verleugnet hat (Matthäus 26, 69-75), obwohl gerade er immer wieder beteuert hat, wie sehr er Jesus liebe. Als es jedoch darauf ankam, erweist er sich als Feigling. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, hat Jesus ihn zum Fundament seiner Kirche gemacht. Dabei scheint er sich der menschlichen Natur, die in einem ständigen Spannungsfeld zwischen positiven und negativen Eigenschaften steht, sehr bewusst gewesen zu sein.

Auch heute noch lohnt es sich auf Petrus zu schauen, gerade dann, wenn wir unzufrieden mit uns selbst sind, wenn wir Mist gebaut oder vielleicht selbst jemanden verleugnet oder verraten haben. Denn Petrus kann uns als Spiegel unserer selbst dienen. So war er, genau wie jeder von uns, nur ein Mensch mit Stärken und Schwächen.

3. Fastenimpuls - Die Figur Pontius Pilatus

Nach den Passionsgestalten Judas und Petrus wurde beim dritten Fastenimpuls die Figur des Pontius Pilatus in den Blick genommen. Dieser ist als derjenige, der Jesus Kraft seines Amtes zum Tode verurteilt hat, in Erinnerung geblieben. Obwohl er nicht von einer Schuld Jesu überzeugt war, hat er dem Druck der Massen nachgegeben und diesen zum Tode verurteilt. Der im Matthäus-Evangelium formulierte Zusatz, „Ich wasche meine Hände in Unschuld“, mit der er sich von jeglicher Verantwortung freizusprechen versuchte, ist ins Sprichwörtliche übergegangen.

Doch Pontius Pilatus hat sich mitschuldig gemacht. Er konnte seine Hände letztlich eben nicht in Unschuld waschen. Und genauso wenig können wir das heutzutage. Die Passionsgestalt Pontius Pilatus sollte uns daran erinnern, uns nicht dem Druck der Massen zu beugen, nicht wegzuschauen und den eigenen Überzeugungen stets treu zu bleiben!

Fastenimpuls am Montag, den 19. März 2018

Beim fünften und letzten Fastenimpuls stand die Passionsgestalt des heiligen Longinus im Fokus. Der heilige Longinus war die Passionsgestalt, die den am Kreuze hängenden Jesus mit einer Lanze in die Seite gestoßen hat, um zu prüfen, ob dieser denn tatsächlich verstorben war. Es stellt sich die Frage, warum denn dieser Mann, dieser Frevler, ein Heiliger und ein Vorbild für uns sein soll. Hier lohnt sich ein zweiter Blick: So bekennt der Soldat schließlich reumütig, dass es sich bei dem gekreuzigten Jesu um Gottes Sohn handele. Und damit ist er der erste, der dieses Bekenntnis abgelegt hat. Später lebte Longinus lange als Mönch und bekehrte viele Menschen zum christlichen Glauben, bis er schließlich selbst für seinen Glauben sein Leben lassen musste und damit zum Märtyrer wurde.

Habt ebenso wie der heilige Longinus Mut, mit Herz, Wort und Tat für das einzustehen, woran ihr glaubt!

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